4
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
ich freue mich sehr, Sie gemeinsam mit dem Hamburger Kongressteam zum
Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 2017
in Berlin begrüßen zu dürfen. Wir freuen uns auf drei intensive Kongresstage,
die reich an Kommunikation, Austausch, Lernen, Anregungen und neuen Er-
kenntnissen sein werden.
Die Psychosomatische Medizin und Psychotherapie hat sich in den letzten Jahren
enorm weiterentwickelt und geht zugleich den Weg der Differenzierung der
Medizinmit.Währendmoderne Medikamente, wie beispielsweise die Biologicals,
immer bessere Wirksamkeiten erreichen und zum Teil Heilungen von bisher als
chronisch verstandenen Erkrankungen ermöglichen, wird gleichzeitig immer
deutlicher, dass moderne psychosomatische und psychotherapeutische Inter-
ventionen nicht nur den subjektiven Zustand und die Lebensqualität verbessern,
sondern eben auch positive Auswirkungen auf den körperlichen Zustand des
Menschen haben. Unsere psychotherapeutischen Verfahren werden immer
elaborierter und wir verstehen mehr und mehr, was genau bei welchen Be-
troffenen und bei welchen Störungen wirksam sein kann. Zugleich wissen wir
auch mehr über potentielle Nebenwirkungen von Psychotherapie sowie über
Nebenwirkungen von Psychopharmaka. Damit sind wir nun in der Lage, unsere
therapeutischen Verfahren wesentlich gezielter und kritischer anzuwenden.
Die Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist ein faszinierendes Fach-
gebiet: Sie befasst sich mit dem Wesentlichen des Menschseins, mit seiner
Biographie, mit den vielen alternativen Wegen, die Menschen in ihrem Leben
einschlagen. Dabei ist die Psychosomatische Medizin und Psychotherapie per
se ein interdisziplinäres medizinisches Fachgebiet, welches in viele Bereiche der
Medizin, der Psychologie, der Kreativtherapien, der Versorgungs- und Pflege-
wissenschaften und in die Politik hineinreicht. Nationale und internationale
Einflüsse prägen unser Fachgebiet. Die Welt um uns herum ist komplexer ge-
worden, und an vielen Stellen wird „Faktisches“ und „Post-Faktisches“ gleich-
gesetzt. In unserem Fachgebiet wissen wir um die subjektiven Wirklichkeiten.
Unser Fachgebiet kann zur Aufklärung beitragen, wo einerseits subjektive
Wirklichkeiten ihren berechtigten Platz haben (z.B. bei der Wahrnehmung des
eigenen Körpers, seiner Grenzen, bei Gesundheit und Krankheit) und wo an-
dererseits subjektive und„post-faktische“ Wirklichkeiten eine Gefahr darstellen;
insbesondere dann, wenn sie politisch funktionalisiert werden.
Bernd Löwe
Grußwort




