DIVI 2019 Abstractbuch
Abstractbuch E-Poster-Abstracts/Organversagen und Transplantation 99 EP/07/03 Modifikation der Kidney Disease: Improving Global Outcomes-Kriterien ohne Einfluss auf die Prä- diktion der persistierenden renalen Dysfunktion C. Schmidt 1 , M. Hessler 1 , P.-H. Arnemann 1 , T.-G. Kampmeier 1 , F. Lehmann 1 , D. Görlich 2 , A. Zar- bock 1 , C. Ertmer 1 1 Universitätsklinikum Münster, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerzthe- rapie, Münster, Deutschland, 2 Institut für Biometrie und klinische Forschung, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland Fragestellung : Das Auftreten einer akuten Nierenschädigung (AKI, acute kidney injury) geht, auch bei vollständiger Normalisierung der Nierenfunktion, mit einem erhöhten Risiko einher eine chro- nische Nierenerkrankung (CKD) zu entwickeln. Um die zeitliche Lücke zwischen AKI, definiert als akute Abnahme der Nierenfunktion mit einer Dauer von 7 Tagen oder weniger, und CKD (strukturelle oder funktionelle Veränderungen >90 Tage) zu schließen, wurde der Begriff persistierende renale Dysfunktion (PRD) eingeführt. Ziel dieser retrospektiven Studie war es, zu untersuchen, ob eine Mo- difikation der KDIGO-Kriterien Auswirkungen auf die Prädiktion der PRD hat. Methodik : Es wurden 3279 kardiochirurgische Patienten eingeschlossen. Bei allen Patienten wurde, beginnend am Tag der Operation, täglich das AKI-Stadium bestimmt. Hierzu wurden zum einen die etablierten KDIGO-Kriterien (Baseline- und Verlaufs-Kreatinin nicht adjustiert; Diurese nach tatsäch- lichem Körpergewicht adjustiert), als auch drei Modifikationen angewandt: 1) Baseline-Kreatinin errechnet nach anamnestischem CKD-Stadium, 2) Serum-Kreatinin adjustiert nach der Flüssigkeits- bilanz und 3) Stundendiurese adjustiert nach idealem Körpergewicht (predicted body weight, PBW). PRD wurde definiert als eine Erhöhung des Serumkreatinins >150% des Ausgangswertes oder Not- wendigkeit eines Nierenersatzverfahrens 28 Tage nach der Operation. Ergebnisse : Am 28. postoperativen Tag waren Kreatininwerte von 116 Patienten verfügbar. 44 Pa- tienten (37,9%) zeigten eine persistierende renale Dysfunktion. Es bestand ein signifikanter Zusam- menhang zwischen dem Auftreten von PRD und dem AKI-Stadium, sowohl nach Standardkriterien, wie auch nach Modifikation (errechnetes Baseline-Kreatinin, Flüssigkeitsbilanz oder PBW; alle p< 0,001). Eine Sensitivität-Spezifität-Analyse für die Vorhersagbarkeit einer PRD ergab keine Verbes- serung der Vorhersage durch Adjustierung nach PBW (p=0,101), errechnetem Baseline-Kreatinin (p=0,187) oder Flüssigkeitsbilanz (p=0,121) gegenüber den etablierten Standardkriterien. Schlussfolgerung : Ein relevanter Anteil kardiochirurgischer Patienten ist von AKI und PRD betrof- fen. Die vorliegenden Daten lassen annehmen, dass die Prädiktion einer PRD durch Modifikation der KDIGO-Kriterien nicht verbessert werden kann. Es muss jedoch bedacht werden, dass die geringe Fallzahl dieser retrospektiven Analyse die Ergebnisse beeinträchtigt haben könnte.
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